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Dieses Thema hat 6 Antworten
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ChBoxDogs
Keep on rockin`

Beiträge: 98


08.07.2013 18:49
Änglagard - Hybris (1992) antworten

Änglagard - Hybris

RetroProg



1992
Exergy


Bewertung: 10/10


Wahrscheinlich kennen die meisten Hörer diese Scheibe bereits und gehören zu den Glücklichen (oder Unglücklichen), die diese Platte in ihrer Sammlung haben. Da aber diese Scheibe zu meiner Lieblingsplatte in sachen Prog gehört, möchte ich sie trotzdem rezensieren. Vielleicht gibt es ja noch Personen, die entweder noch nie etwas von der Band gehört oder den Zugang zu dieser Musik noch nicht gefunden haben. Für die letztgenannten soll nun erklärt werden, was eigentlich so toll sein soll an dieser Musik.

"Hybris" ist das Debütalbum jener sechs jungen Schweden, die sich "Haus der Engel", auf schwedisch "Anglagard", nannten. 1991 fand sich die Band mit dem Ziel zusammen, entgegen des Zeitgeistes ihrer Generation die Musik zu vollführen, die in den 70er Jahren unter dem Namen "Progressive Rock" bekannt war. Nach dem Katatrophenjahr 1978 kam da nicht allzu viel, lediglich Bands wie Marillion und IQ hielten die Fahne noch hoch und die ehemaligen Hereonen der 70er wie Camel, Yes und Renaissance versanken in den komplexen Kompositionen der zeitgenössischen Popmusik der 1980er Jahre.

Nach diversen Gigs in ihrer Heimat machten sich die sechs Musiker zwischen 17(!) und 22 Jahren im Sommer 1992 auf den Weg ins Studio Largen, das in einem Nationalplark liegt, um "Hybris" aufzunehmen. Resultat sind vier Stücke und 44:18 Minuten Spieldauer:


1. "Jordrök" (11:10)

Eröffnet wird das Eröffnungstück mit einem melanchonisch-düsterem Piano, das ab ab 00:40 Min. mit einem Mellotron-Chor unterstützt wird. Ab
Minute 1:06 steigen E-Gitarre, Bass und Schlagzeug ein. Schräge Klänge wechseln sich mit melodiöser Gitarrenarbeit ab. Ab 3:06 dann ein
Kontrast: es treten Akustikgitarren anstelle der Gitarren, Flöte und Glockenspiel spielen ihre Melodien begleitet von einem Mellotron. Bei
diesem Part krieg ich immer wieder Gänsehaut. Ab 5:41 wird es wieder lauter: Die Gitarre jammert, das Schlagzeug hämmert, der Rickenbacker
knarzt vor sich hin, die Hammond schafft eine tolle Atmosphäre und die Querflöte wechselt sich bei der Melodieline mit der E-Gitarre ab.
Trotz der Heftigkeit ist im Gegensatz zum Anfang Melodioösität im vollen Umfang erhalten. Um die weiteren Part zu beschreiben, die Änglagard
hier spielen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Lieber komme ich zum nächsten Höhepunkt, nämlich Minute 9:19: Die Gitarre schwelgt
sich heftig in düsteren Mellotron-Klängen, man meint, das Treiben der Kobolde im Schwedischen Wald bei Mitternacht zu beobachten.
Abgeschlossen wird "Jordrök" mit einer wunder-wunderschönen Gitarrenmelodie, das Stück klingt dann ruhig aus.


2. "Vandringar i vilsenhet" 11:56

Das Stück fängt vielversprechend an mit einr ruhigen Flötenmelodie, die von diversen Tasteninstrumenten begleitet wird, bis sie selber das
Zepter in die Hand nehmen, um dann der Flöte wieder zu übergeben. Ab Minute 2:42 wechseln sich rockige Gitarren mit folkloristischen Flöten
ab, was eine gewisse Spannung hervorruft. Und dann ab Minute 3:46: zum erstenmal Gesang! Aber die Stimme von Tord Lindman weckt keine
Erinnerungen an so starke Stimmen wie Jon Anderson, Peter Gabriel oder Peter Hammill. Vielmehr ist die Stimmer extrem dünn. ABER: nach einer
gewissen Eingewöhnungszeit sieht man ein, dass sie zu diesem Album gehört. Und die schwedische Sprache gibt einen noch extra einen gewissen
Kick. Ab 8:20 aber verliert das Stück deutlich an Substanz: meiner (subjektiven) Meinung nach versuchte man hier, das Stück in die Länge
zu ziehen. Vielleicht würde ein Ende wie bei diesem Stück auf einem anderen Album einer anderen Band nicht negativ auffallen, aber nach dem
Genuß von "Jordrök" sind die Erwartungen auf die weiteren Stücke halt extrem gestiegen.

3. "Ifrån klarhet till klarhet" 8:08

Der Anfang ist igendwie lustig: eine lustige Zirkusmelodie ala "Lizard" von King Crimson ertönt leise, damit nach wenigen Sekunden auf einem
krummen Takt eine Explosion aus Hammond und Schlagzeug unsere Aufmerksamkeit auf die Musik einfordert. Etwas hektische Musik folgt dann, bis
ab 1:22 Lindman seine Stimmbänder anspannt, während er sachte von Mellotron, Bass und Schlagzeug begleitet wird. Die Melodie ist veträumt und
wunderschön. Hier passt irgendwie dieser eigentlich schwache Gesang sehr gut in das Bild herein. Man bleibt beim ruhigen musizieren,
Akustikgitarre und Querflöte übernehmen das Zepter, bis sie ab Minute 4:44 von der Hektischen Anfangsmelodie wieder abgelöst werden. Dann
folgt ein kurzer Part (5:06-5:27), der Erinnerungen an "The Musical Box" von Genesis hervorruft. Danach: unbeschreiblich. Wie dann ab 5:38
zwei Instrumente eine Melodie bilden, einfach nur genial. Und dann kommt das Finale mit seeehr viel Mellotron und E-Gitarre: einfach nur Wow!

Ein Ohrgasmus mit Tränen in den Augen.

Klappe zu, Affe tot.


4. "Kung Bore" 13:04

Jetzt kommen wir zum wohl eingängigsten Stück des ganzen Albums. Progger, die sich bisher mit Änglagard viellecht schwer getan haben, sollten
mit "Kung Bore" den Einstieg wagen. Das Stück beginnt veträumt mit der Akustikgitarre und Piano, nimmt dann Fahrt auf. Ab 2:00 wirds dann
wieder ruhiger, Akustikgitarren und Flöte dominieren, ab 2:49 fängt dann der Gesang an. Wunderschön, romantisch, typisch skandinavisch-
melanchonisch. Ab 4:24 wirds dann dramatischer und rockiger. Eine klasse Folkmelodie, fast schon indianisch, schließt sich dem an. Tolle
Melodien reihen sich aneinder an, mal laut mal leise, die Übergänge sind perfekt eingefügt, bis sich Lindman bei 9:00 sich wieder zu Wort
meldet. Danach: wieder unser allseits geliebtes Mellotron. Dramatik pur. Gitarren jammern nicht mehr, sie heulen, wie die Wölfe im Wald.
Auf großer Bühne wird das Album dann abgeschlossen.



Fazit

Das ist Prog!!

Eigentlich ist RetroProg nicht wirklich der passende Begriff, denn nur 21 Sekunden von "Ifran Klarhet till Klarhet" erinnern an eine andere musikalische Großtat. Die Instrumente sind Retro: Querflöte, Mellotron, Rickenbacker und Hammond deuten die Musikalischen Vorbilder an. Kompositorisch gesehen sind Änglagard total eigenständig, die Musikerin und jeder Musiker nimmt das Proggig sein wortwörtlich. Das Talent an den Instrumenten, die sie mitbringen, ist unüberhörbar. Lindman ist zwar kein super Sänger, aber er versteht es, diese Banddienlich in den Sound einzugliedern.

Was aber das größte Plus ist, ist die Abwechslung. Abwechslungsreichtum innerhalb eines Songs sind normal im Prog, aber wie Änglagard das hier umsetzt mit den verschieden Stimmungen ist einfach nur genial.

Die Wiederveröffentlichung aus dem letzten Jahrzent ist ein Digipack mit einem 16-Seitigem schönem Booklet und dem Bonustrack "Gånglåt från Knapptibble"



Lineup:

Tord Lindman: Vocals, Gibson 335, Nylon & Steel Acoustic Guitars

Jonas Engdegård: Stratocaster, Gibson 335, Nylon & Steel Acoustic Guitars

Thomas Johnson: Mellotron, Hammond Organ B-3 & L-100, Solina, Clavinet, Pianet, Korg Mono/Poly, Piano & Church Organ

Anna Holmgren: Flute

Johan Högberg: Rickenbacker Bass, Bass Pedals & Mellotron Effects

Mattias Olsson: Sonor Drumset, Zildjian Cymbals, Concert Bass Drum, Triangles, Tambourines, Vibraslap, Po-Chung, Gong, Castanets, Line Bells, Cowbell, Wood Block, Glockenspiel, Tubular Bells, Bongos, Bells, Ice-Bell, Finger Cymbals, Waterfall, A-Gogo Bells, Cabasa, Claves, French Cowbell, African Drums & Effect-Flute
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22.Nov.14 - The Pineapple Thief - Magnolia Tour
09.Apr.15 - Steven Wilson - Hand Cannot Erase Tour
27.Okt.15 - Gazpacho - Molok Tour
18.Jan.16 - Steven Wilson - Hand Cannot Erase Tour 16
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26.01.2017 - The Pineapple Thief

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George
The boss

Beiträge: 1.380


08.07.2013 20:30
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

Feine Rezi, die werde ich mir ausdrucken und auf der Fahrt zum Lore-Felsen mit der Musik abgleichen!
(Natürlich als Beifahrer! )

Janne
The boss

Beiträge: 1.547


09.07.2013 07:58
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

sehr ausführliche Rezension
Lausche gerade täglich in alle Alben der Schweden rein. Das wird ein kleiner Geheimtip für das anstehende WE Hoffentlich kommt das live ebenso gut...


---------------

Stay tuned, Jan

---------------
MrFloyd
Great Champ

Beiträge: 717


09.07.2013 12:34
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

Hallo,
das ist ja eine super Rezi.
Danke!!

Gruß
Ralf


Meine nächsten Konzertbesuche:
12.Night Of The Prog Festival - Loreley
31.03/01/02.04.2017 Artrock Festival - Neuberinhaus, Reichenbach
toni
The boss

Beiträge: 1.327


09.07.2013 12:35
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

tja, das sehe/ höre ich gleich wie jan,
bin sehr gespannt wie das live rüberkommt.
schön , da werden wir gefordert sein.

gruss

ChBoxDogs
Keep on rockin`

Beiträge: 98


10.07.2013 20:54
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

Vielen Dank für die positiven Kommentare.

Leider sind von der Ur-Formation nur noch Holmgren und Högberg (jezt Brand) übrig geblieben, nach "Viljans Öga" ist die Band leider (wieder) zum Teil auseinandergefallen. Dafür ist Lindman wieder mit von der Partie. Engdegard wird also von Lindman ersetzt, Johnsson von Käse und Olsson(sehr schade) von Hammerström (cooler Name für einen Drummer)

Man darf also aufs WE gespannt sein...


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George
The boss

Beiträge: 1.380


11.07.2013 13:38
RE: Änglagard - Hybris (1992) antworten

Wer es nicht mehr erwarten kann, kann ja da mal hören und schauen:
http://www.youtube.com/user/anglagardrecords?feature=watch

 Sprung  
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