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Great Champ

Beiträge: 541

08.01.2020 23:10
VOYAGER IV - PICTURES AT AN EXHIBITION antworten

Marcus Schinkel ist der Kopf und Treiber der neugegründeten Band VOYAGER IV. Bekannt wurde er durch seine Crossover-Projekte, vor allem das "Crossover-Beethoven"-Projekt, von dem bisher 4 CDs vorliegen. Nun also Mussorgskys Bilderzyklus aus Anlass des Geburttstages von Keith Emerson am 2.November.

Die Frage liegt nahe, ob es denn nicht schon genug Versionen dieses Klassikers gibt, vor allem im weiteren Rockbereich, in dem ELP's Fassung die berühmteste ist. Aus deutschen Landen sind die bekanntesten von MEKONG DELTA und die der STERN COMBO MEISSEN. Nun also VOYAGER IV.

Um der Sinnfrage der wiederholten Versionen des Bilderzyklus eine Annäherung zur Antwort zu geben sei hier ein Spruch von Thomas Morus zitiert, der sich auf der Homepage von Marcus Schinkel findet:" Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers!" Vor diesem Hintergrund gehört - und auch ohne diesen - entwickelt Schinkel eine Crossover-Version, die neue Perspektiven auf den Klassiker eröffnen kann. Ob sie dieses tut - hörmer mal:

Schon der Beginn mit der Promenade verstört zunächst den "Bilder"- afizinato mit Spacegeräuschen (Was hat Mussorgski mit dem Weltraum zu tun?). Aus Pianoperlen löst sich kurz das Thema - von einer Oboe (Synthie?) intoniert - um dann vom Klavier jazzig bis zum Finale geführt zu werden, das als Verbeugung vor K.Emerson mit vollem Hammondsound zelebriert wird.

Dann folgt die nächste Überraschung. Die Band ändert die Reihenfolge der "Bilder". Sie hängt sie um. Anstelle des "Gnomus" folgt "Samuel Goldberg (der Reiche) und Schmuyle (der Arme)". Zum Hauptmotiv Mussorgskis schrieb Sänger Johannes Kuchta einen Text und strickte mit Keyboarder und Mastermind Marcus Schinkel eine Ballade draus. Sie lässt sich zunächst gut hören. Aber spätestens beim 2. Durchgang und der 2. Wiederholung des Refrains beginnt die Stimme Kuchtas einen unangenehmen Touch zu kriegen. Ab dem 3. Hördurchgang nervt dieser Refrain. Eine etwas andere Melodieführung des Refrains würde es dem Höer einfacher machen. dabei zu bleiben. Wie sagt der Küchencheffilosof aller Rezensenten so zielsicher? " Das Rezensieren ist kein Ponyhof!"...

Diesem stark abgewandelten "Bild" folgt nun der "Gnomus", der in ELP's Bearbeitung die kongeniale Umsetzung der Ideen Mussorgskis durch das Rocktrio erfahren durfte. Was machen Voyager IV? Sie folgen zunächst mit Power der Spur Emersons bis das Klavier eine seltsam nach latino klingende Passage einfügt. Darauf folgt eine Improvisation des E-Piano mit südamerikanischem(!) Perkussionstreiber. Ist das Mamba oder Sambo? Ich bin mir net so sicher. Sicher ist, dass das Tanzbein zuckt. Allerdings stellt sich die Frage, was Mussorgski und seiner Idee dieser Komposition mit latinischer Musik zu tun hat. Kunst ist frei - nun gut. Darüber zu schreiben/ reden eben auch.

Übergangslos schließt sich "Das Alte Schloss" an. Hier nimmt Kuchta wieder das Hauptmotiv bzw. die markante Melodie und legt einen Text drüber (oder drunter - wer weiß?) Was der Text und die Stimme nicht schafft, das schafft dieses hier unselige Gezirpe, nämlich Kopfschütteln auszulösen. Das wird zunächst beendet - das Gezirpe - und so bekommt der Titel den ihm gemäßen erhabenen Platz im Gesamtwerk (wenn nur zum Ende dieses Gezirpe fehlte - das braucht nun wirklich niemand).

Die "Promenade" wird nun genommen um daraus einen Jazzsong zu performen (wie hasse ich dieses Wort, aber hier passt's). Es ist nicht abzustreiten, dass mit diesem Song etwas Leichtigkeit einkehrt, die auf die "Tuilerien" überleitet, die sehr

razz-jockig (!) präsentiert werden. Hier zeigt sich die Spielfreude und das Können überhaupt von Marcus Schinkel. Er beherrscht sein Instrumentarium und braucht keine Vergleiche mit heutigen und gestrigen Tastendrückern zu scheuen. Ein starkes Stück!

Der "Ochsenkarren"(Bydlo) wird wieder zu einem Popsong. Wobei die Stimmverfremdung in der Erzählpassage eher abtörend wirkt. Schade, Hier wurde eine Chance vertan, zeitgemäßen Prog zu entwickeln - bitte ohne Gesang!

Man hätte fast das Schlimmste befürchten können nach dem "Karren". Aber die Band zelebriert den "Lucky Man" großartig. Selten hat man diesen Titel in solcher ausdrucksvollen Progversion gehört, die auch die Bezeichnung "Prog" verdient Vor allem der 2.Teil setzt die Tragik um, die im Text steckt. Im Arrangement und der Ausführung ein Treffer. Dazu darf man den Protagonisten gratulieren.

Die "Catacomben" (von Paris?) und die Stimmen der Toten dort inspirieren Schinkel zu einer Jazzbalade im ersten Teil mit Klavier als Hauptinstrument und dem Synthie iim Zwischenteil, Schlussteil - sorry! - Geklimper mit Synthiegeflirre, Sinnfrage!

Jetzt aber legen die Jungs los. Das ist bei dieser Vorlage aber auch keine große Kunst. Denn hiermit hat der gute Mussorgsk(i)(y)(ji) den Steilpass für Rockbands schlechthin geliefert. Die Band musste nur noch vollenden, was sie auch mit Druck und Begeisterung tut. Hat der Modest da nicht im 19.Jahrhundert den Prog schon vorgeahnt? ich frag' ja nur.

Wer nun das große Bombastfinale wie bei fast allen Adaptionen erwartet hat, wird zunächst mit einem weiteren Popsong überrascht, der sich zwar auch zum Ende hin steigert, aber auch schon nach 4:45 Minuten beendet ist.

Der Rezensent, der mit dem Original im Musikunterricht Ende der '60er ausgiebigst musikalisch vorgeprägt wurde, bleibt leicht irritiert zurück ob des gehörten Adaptionsversuches. Ist dieser nun gelungen oder nicht? Die Antwort ist: halb und halb.

Das Album hat seine starken Momente - siehe Text - , ist stark gespielt (Schinkel!) und klanglich ohne negative Auffälligkeiten (muss man heute wieder sagen - leider!). Meine Empfehlung lautet daher: kann man sich anhören, muss man aber nicht.

https://voyageriv.bandcamp.com/

Die Band:

Marcus Schinkel: Grand Piano, Synthsizer, Clavinet, Ebow

Johannes Kuchta: Voc, Perc, Tupian, Sopransax

Wim de Vries: Drums, Perc,

Fritz Roppel: Bass



Titel:
1.Promenade 5.42

2.Samuel Goldenberg & Schmuyle (My Point Of View) 5.07

3.Gnomus 4.16

4.Il Vecchio Castello (Photophobia) 6.13

5.Promenade II (From The Land Of The Feathers) 6.01

6.Tuileries 4.37

7.Bydlo (The Bullock Cart) 4.48

8.Lucky Man 5.35

9.Catacombae/Cum Mortuis In Lingua Mortua 6.29

10.Baba Yaga 5.56

11.The Great Gates Of Kiev (Daedalus Calling) 4.45

12.Talk To The Wind 5.25

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